Wir schreiben jetzt in der ganzen Geschichte den 13. Oktober 2003. Es ist alles überstanden, alle OP’s liegen hinter mir und es folgen nur noch die üblichen Kontrolluntersuchungen, die im Laufe der Zeit auch weniger werden.
Ich hoffe das jetzt tatsächlich alles Passé ist und ich diese Geschichte nicht noch mal verlängern werden muss.
Sollte natürlich noch was passieren, was mit der Erkrankung im Zusammenhang steht, so werde ich dies hier berichten.
Ich hoffe, jedoch das dies nicht nötig sein wird und das jeder der diesen langen Text bis hier her gelesen hat mir dafür auch alle Daumen drückt.
Unfreiwillige Fortsetzung
Wie hatte ich mir nur einbilden können, die ganze Geschichte sei hier wirklich zu Ende gewesen. Hätte mir ja eigentlich schon selber klar sein müssen, dass das so nicht sein kann.
Jedenfalls bekam das ganze im April 2004 mal wieder eine neue Wendung. Irgendwie bekam ich zu diesem Zeitpunkt, mal wieder das mir allzu bekannte Gefühl, dass die rechte Brust anfing zu spannen und größer zu werden. “Aber so ein Blödsinn, bin doch gerade erst vor sieben Monaten operiert worden und es wurde schließlich alles entfernt.” Also, den Gedanken ganz schnell wieder verdrängt, man kann sich schließlich auch was einreden. Aber in den nächsten Wochen habe ich immer weniger das Gefühl, dass ich mir dies nur einrede.
Also was liegt näher, als einen Termin für eine Ultraschalluntersuchung zu machen und sich bestätigen zu lassen, dass da absolut nichts ist. Also geh’ ich am 18.05.04 zur Ultraschalluntersuchung. Der Arzt bestätigt mir dann auch, dass sonographisch keine Auffälligkeiten festzustellen sind (wusste ich es also doch!). Allerdings rät er, aufgrund der Vorgeschichte zu einer Kernspintomographie der rechten Brustwand.
Jetzt hatte ich endlich wieder Oberwasser, schließlich war ja nichts festzustellen. So war es für mich auch gar kein Problem einen Termin für ein MRT zu vereinbaren.
Dies sollte dann eine knappe Woche später am 27.05.05 so weit sein. Kernspintomographie war mir aufgrund der Nachsorgeuntersuchungen ja schon nichts unbekanntes, daher war es für mich schon fast etwas normales. Als ich dann aber in dieser Röhre lag, war mir ziemlich schnell klar, dass scheinbar doch etwas nicht stimmte. Erstens dauerte die Untersuchung länger als sie eigentlich sollte, zweitens bemerkte ich irgendwann das typische Wärmegefühl einer MRT-Untersuchung auch auf der linken Seite. Da fing ich dann doch schon wieder das Grübeln an. Nach der Untersuchung musste ich zunächst noch mal im Wartezimmer platz nehmen, bis ich von der Ärztin aufgerufen wurde.
Diese fing Ihre Erklärung dann damit an, dass man an der rechten Brust Fettgewebe festgestellt habe, daher sei zur Kontrolle noch eine Aufnahme der linken Brust gemacht worden (sie erzählt nichts wirklich neues, dass hatte ich auch schon bemerkt). Hier habe man auch Fettgewebe festgestellt, allerdings nur in minimalster Menge. Sie erklärte und umschrieb das ganze eine Weile, bis ich ihr sagte, sie solle mir doch einfach sagen, dass es sich um eine Gynäkomastie handele. Da sie meine Vorerkrankungen nicht kannte, war sie zunächst etwas verdutzt und jetzt fing ich erstmal an zu erklären. (:-)
Nachdem dann soweit alle wichtigen Daten ausgetauscht waren, erklärte sie mir dann, dass demnach ein Rezidiv aufgetreten sei. Sie empfahl zunächst keine weitere operative Behandlung, stattdessen sollte es einfach nur vom Urologen beobachtet werden.
Nachdem dieser den Befund vorliegen hatte, teilte er diese Meinung. So wurde es im Rahmen der vierteljährlichen Routineuntersuchungen mit kontrolliert. Allerdings mit dem Ergebnis, das es immer etwas mehr wurde.
So konnte ich mich dann bis ungefähr Frühjahr 2005 “retten”. Dann fing es allmählich doch wieder an, Probleme zu bereiten. So spürte ich gelegentlich eine Art Druck auf den Rippen.
Im Juni musste ich dann wieder mal einsehen, dass es so nicht weiter geht und ich die Sache ganz offensichtlich nochmals operativ entfernen lassen muss.
So besorgte ich mir zunächst ziemlich kurzfristig einen Termin im Krankenhaus zur Besprechung mit dem Chefarzt.
Dieser teilte meine Meinung, die Gynäkomastie zu entfernen, wollte dies aufgrund der Ergebnisse zunächst aber nur rechts machen und ich sollte abwarten, wie es sich auf der linken Seite entwickelt.
Das war allerdings eine Vorstellung mit der ich mich nicht anfreunden konnte. Wenn ich jetzt sowieso ins Krankenhaus und den OP musste, dann sollten m.E. auch beide Seiten operiert werden, so dass dann zu 99% Ruhe einkehren musste. Ganz bestimmt aber, hatte ich keine Lust mich jetzt operieren zu lassen und evtl. in einem halben Jahr nochmals. Dies erklärte ich auch dem Chefarzt, allerdings brauchte es einige Diskussionen, an deren Ende allerdings ich gewann. ![]()
So erhielt ich einen Termin zur vorstationären Untersuchung für den 18. Juli 2005. An diesem Tag hatte ich gegen 11.00 Uhr dort zu erscheinen. Nachdem ich mich in der Patientenverwaltung angemeldet hatte, musste ich in die chirurgische Ambulanz. Nachdem einer kurzen Wartezeit wurde ich aufgerufen. Nun wurde mir zunächst Blut abgenommen, anschließend erschien eine Assistenzärztin, die sich das ganze noch mal anschaute und mit mir das Aufklärungsgespräch über evtl. Risiken etc. führte. Was mich allerdings wunderte war, dass dabei abermals nur von der rechten Seite gesprochen wurde. Auf meine Nachfrage hin, wurde mir erklärt, dass auch nur dies in der Akte vermerkt sei. Da ich logischerweise sofort protestierte, wurde dann der Chefarzt angerufen, der sodann persönlich erschien und die Sache klärte. Es war lediglich vergessen worden, nach besagter Diskussion, die Änderung in die Akte zu übertragen. So blieb es allerdings dabei, dass nun beide Seiten operiert werden sollten. Nach einem anschließenden Narkosegespräch mit einer Anästhesistin durfte ich für diesen Tag nochmals nach Hause.
Ich sollte dann am nächsten Morgen (19. Juli) um 7:00 Uhr auf der Station erscheinen. Nach der Aufnahme dort und entsprechender Vorbereitung sollte ich dann um 8:00 Uhr operiert werden.
Nachdem ich einigermaßen gut geschlafen hatte, machte ich mich also mal wieder auf den Weg und war dann auch pünktlich auf Station 12. Dort zeigte man mir zunächst mein Zimmer, welches ich vorerst für mich alleine hatte, und fing dann langsam an, mich auf die OP vorzubereiten. Gegen 07:20 Uhr erschien dann eine Krankenschwester, die mir eine Beruhigungstablette brachte, verbunden mit den Hinweisen, dass sie mich in ca. 20 Minuten in den OP bringen würde und dass ich, nachdem ich die Tablette genommen hätte nicht mehr aus dem Bett steigen sollte. Dies brachte mich doch etwas zur Verwunderung, war ja schließlich nicht meine erste OP, aber das hatte man mir noch nie gesagt. Zehn Minuten später kam es, wie es in solch einer Situation kommen muss, ich spürte einen Druck auf der Blase. Also kurz überlegen und dann zu dem Ergebnis kommen, dass die Situation keinen Aufschub duldet. Da diese Tabletten bei den bisherigen OP’s bei mir auch keine großartige Wirkung zeigten, machte ich mir keine Gedanken und ging nochmal auf Toilette. Und es ging auch alles gut. Nachdem ich gerade wieder auf dem Zimmer war, kam die Krankenschwester zurück um mich nun in den OP zu bringen. Wie ich so genau in den Vorbeitungsraum gekommen bin, weiss ich im nachhinein nicht mehr. Im Rückblick kann ich daher auch verstehen, warum ich nach der Tablette im Bett bleiben sollte. Ich kann mich jedenfalls nur noch daran erinnern, dass ich im Bett aus dem Zimmer gefahren wurde, das nächste ist dann schon die Schleuse vor dem OP (der weg bis dahin einschließlich Aufzug: keine Ahnung!). Da hatte ich allerdings mal wieder ein nettes Erlebnis.
Nachdem ich vom Bett auf die “OP-Pritsche” gewechselt hatte, gab man mir diesemal ein grünes Tuch zum zudecken und nicht wie die letzten male ein weisses. Daraufhin fragte ich die Krankenschwester aus Spaß, ob sie hier neue Decken hätten. Daraufhin entgegnete Sie mir, ob ich schon mal hier im OP gewesen sei, dass ich das wüsste. Etwas verwundert erklärte ich ihr, dass ich schon mehrmals operiert worden wäre und erläuterte ihr die Geschichte. Hierauf bekam ich dann nur zu hören, “Gut das sie das sagen, das Zentralarchiv hat nämlich mitgeteilt, dass es zu ihrer Person noch keine Akte gibt, da müssen wir dann nochmal nachhören”. Ich muss schon sagen, auch das war mal wieder sehr ermutigend, so kurz vor der OP.
Als das geklärt war, ging es dann mal wieder in den Vorbereitungsraum, aber auch von dem Weg bis dahin weiss ich nichts. Dort angekommen, stellt sich mir mal wieder die Chefärztin der Anästhesie vor und legte dann den venösen Zugang, anschließend verliess sie den Raum nochmals, wie lange ist mir ebenfalls nicht bewusst. Jedenfalls hörte ich als nächstes die Stimme der Anästhesistin hinter mir, als sie den Raum wieder betrat und sagte “So, dann wollen wir mal anfangen”. Aber das sie neben mich gekommen ist und die Narkose gespritzt hat, weiss ich wie vieles andere von dem Tag auch nicht.
Das nächste, was ich dann wieder weiss, ist das ich im Aufwachraum aufgewacht bin und mir zunächst garnicht bewusst war, dass die OP bereits gelaufen war. Nachdem ich noch ein paar mal wieder eingeschlafen war, kam die Anästhesistin an mein Bett um Puls und Blutdruck zu prüfen. Sie erklärte mir, dass sie nachher noch auf die Station käme und mir über den Verlauf der Narkose berichten würde.
Kurze Zeit später teilte man mir dann auch schon mit, dass ich gleich wieder abgeholt würde und auf die Station käme. Dort angekommen, habe ich mich die meiste Zeit des Tages mal wieder ausgeschlafen. Zwischendurch kam dann mak wie versprochen die Anästhesistin und kurze Zeit später auch der Operateur. Beide erzählten mir dann wie die OP so abgelaufen war. Der Chirurg teilte mir mit, dass soweit alles problemlos verlaufen sei, man habe nur dieses mal weiter Richtung Rippenbogen schneiden müssen. Insgesamt habe das entfernte Drüsengewebe eine Größe von zwei reifen Kirschen gehabt.
Die nächsten Tage verliefen eigentlich recht ruhig, ich verbrachte die gesamte Zeit eigentlich nur damit, auf meine Entlassung zu warten. Ausser einer Verbandskontrolle jeden Tag passierte ja nichts weiter. Und die Verheilung verlief diesmal zum Glück problemloser als beim ersten Mal, was vielleich aber auch daran lag, dass die Drainage diesmal länger drin blieb als bei der ersten OP. Diese wurde erst Donnerstagmorgen gezogen.
Entlassen wurde ich dann Freitags morgens, mit der Massgabe mich die nächste Zeit ruhig zu verhalten und am darauffolgenden Dienstag zur ambulanten Kontrolle zu kommen. Bei dieser Kontrolle wurde dann noch ein Ultraschall der Narben gemacht, da ich mal wieder größere Hämathome hatte und man ausschliessen wollte, das sich abermals Blut ansammelt. Aber hier konnte im Anschluss Entwarnung gegeben werden, so dass ich noch eine Weile krankgeschrieben wurde, bis zur Abheilung, und die Sache damit erledigt war.
Ein weiterer Ausblick
Jetzt haben wir mittlerweile Anfang August des Jahres 2005 und ich wage abermals einen Ausblick. Auch die letzte OP ist gut überstanden und diesmal hoffe ich wirklich, dass mich jetzt nichts mehr überraschen wird und wirklich nur noch die üblichen Kontrolluntersuchungen folgen werden.
Aber wie gehabt, sollte noch irgendetwas passieren, so werde ich auch dieses hier berichten.
Die Entfernung der Gynäkomastie
Nachdem ich also auch dieses Kapitel abgeschlossen und somit für mich zumindest mental mit der Erkrankung abgeschlossen hatte, konnte ich mich endlich auch um die Ursache des ganzen kümmern. Zunächst sträubte ich mich noch dagegen, da ich das Krankenhaus so schnell nicht wieder sehen wollte. Aber anders gesehen wollte ich, dass auch nicht mehr all zu lange vor mir her schieben. So kam es dass ich ziemlich kurzfristig während meines Urlaubs einen Termin zur Besprechung im Krankenhaus mit dem Chefarzt der Chirurgie ausmachte. Diesen Termin erhielt ich zu meiner Verwunderung auch schon zwei Tage später. So kam es, dass ich schneller wie ich gedacht hatte, mal wieder im Krankenhaus saß und mich mit einem Arzt unterhalten musste.
Der Chefarzt erklärte mir dann, dass das ganze keine große Sache sei, man aber nicht unbedingt noch lange warten sollte. Daher schlug er mir dann auch einen Termin für Mitte September vor, den ich ohne viel drüber nachzudenken annahm.
Dementsprechend hatte ich dann am 23. September 2004 einen Termin zur ambulanten Voruntersuchung. Dabei wurde dann erstmal Blut abgenommen, ein EKG erstellt und die Lunge geröntgt (wozu dieses Röntgenbild gut war, weiß ich bis heute noch nicht). Nachdem dann 5 Stunden vergangen waren, stand dann endlich auch fest, dass alle Ergebnisse in Ordnung waren. So durfte ich wieder nach Hause und sollte Donnerstag Nachmittag zur Aufnahme auf der Station erscheinen. Dem kam ich natürlich auch nach und kam Donnerstag brav wieder ins Krankenhaus. Allerdings hätte ich mir den Tag auch schenken können. Es hätte m.E. auch gereicht, wenn ich wie zur Tumor-OP auch Freitags morgens erschienen wäre. Aber die Ärzte wollten es ja anders und so saß ich den Donnerstag dumm im Krankenhaus rum.
Aber dafür war ich Freitags dann auch der erste der operiert wurde. Bereits um 06.30 wurde ich von den Krankenschwestern geweckt, da ich mich für die OP vorbereiten (sprich OP-Hemd und Thrombosestrümpfe anziehen) sollte. Das war aber in eigentlich fünf Minuten erledigt und so saß ich dann noch eine Stunde mit knurrendem Magen in meinem Zimmer. Gegen halb acht kam dann eine Krankenschwester und brachte mir die Beruhigungstablette, welche ich einnehmen sollte. Aber genau wie beim ersten mal auch, konnte die gar nicht wirken, da ich schon fünf Minuten später Richtung OP gerollt wurde. Als wir mit dem Bett vor dem Aufzug standen, erklärte ich der Krankenschwester, dass ich noch mal auf Toilette müsse. Da direkt neben den Fahrstühlen die Besuchertoilette ist, meinte sie ich solle dann kurz dahin gehen, sie würde schon auf mich warten. Da ich aber ja eigentlich schon im Bett lag, musste ich also im OP-Hemd und auf Thrombose-Strümpfen auf die Toilette. Was mir erst später bewusst wurde, war dass man mich so auch in den OP brachte. Soviel also zur sterilen Hygiene dort. (:-). Aber es hat ja nicht geschadet.
Im OP angekommen, dann das übliche Spiel, zunächst wurde im Vorbereitungsraum das EKG und das Blutdruckmessgerät angeschlossen. Dann kam die Chefärztin der Anästhesie, die an dem morgen die Narkose übernehmen sollte. Während Sie die Nadel legte, versuchte Sie mir zu erklären, dass ich mich zu sehr verkrampfen würde und das die Situation für Sie und für mich nur unnötig erschwere. Dafür hätte ich ja schon wieder unter die Decke gehen können. Ich weiß wirklich nicht ob die Ärzte immer wissen wovon sie reden bzw. würde es mich mal interessieren, wie diese sich in solchen Situationen verhalten.
Aber dann war der Zugang auch schon drin und sie konnte das Narkosemittel spritzen. Ich weiß nur noch, dass die Ärztin mich nach meinem Alter gefragt hat. In dem ich ihr die Antwort gab, fing die Lampe an der Decke über mir an sich zu drehen und ich war weg.
Wach wurde ich dann wieder im Aufwachraum. Dort musste ich mich dann erstmal orientieren. Nachdem ich dann noch zweimal wieder eingeschlafen war, war ich endlich wieder bei mir und wusste wo ich bin. Lediglich was jetzt so genau passiert war, wusste ich noch nicht. Kurz danach wurde ich dann aber wieder auf die Station geholt und dort erklärte mir ein Oberarzt anschließend wie man die OP durchgeführt hatte und das es notwendig gewesen sei in jede der zwei Wunden eine Drainage zu legen. Der restliche Freitag verging dann mit viel Schlafen eigentlich auch sehr schnell.
Samstag morgens kam der Chefarzt selber zur Visite. Er erklärte mir auch noch mal kurz, was gemacht wurde. Danach schaute er sich die Nähte und die Drainagen an. Daraufhin kam er zu dem Ergebnis, das scheinbar schon nicht mehr viel Blut in die Drainage fließe und diese daher entfernt werden könnten. Das erledigte er auch direkt selber und so war ich diese zwei lästigen Teile nicht mal 24 Stunden nach der OP wieder los.
Auf meine Frage wann man ungefähr mit einer Entlassung rechnen könne (ich selber ging von fünf Tagen Aufenthalt aus), antwortete er: “Dort ist die Tür, wenn Sie wollen können Sie heute gehen.” Das war mir dann aber doch irgendwie unheimlich und das erklärte ich auch so.
Daraufhin schlug er mir vor, noch einen Tag im Krankenhaus zu bleiben und am Sonntag nach der Visite zu gehen. Das kam mir schon besser vor und so willigte ich ein. Nachmittags wurde ich dann völlig überraschend von meiner Freundin, die damals noch knapp 80 km entfernt wohnte besucht. Etwas wo ich nicht mit gerechnet hatte, da sie eigentlich am nächsten Tag für eine Woche kommen wollte.
Am Sonntagmorgen kam dann einer der Oberärzte zur Visite, dieser schaute sich die Nähte an und meinte, da müsste ich wohl noch etwas dableiben. Ich erwiderte ihm daraufhin, dass der Chef mich schon gestern entlassen wollte und man sich aber auf den heutigen Tage geeinigt habe. Widerwillig meinte er dann, wenn der Chef das gesagt habe sei dies wohl korrekt.
Daher durfte ich mich dann anziehen (was noch gar nicht so einfach war, da ich die Arme gar nicht richtig bewegen konnte) und nach Hause gehen. Allerdings musste ich montags noch mal in die Sprechstunde des Chefarztes kommen, da dieser noch mal dabei schauen wollte.
Bei diesem Termin passierte allerdings nichts besonderes, es war soweit alles in Ordnung und auch schon gut am heilen. Die restliche Nachsorge soweit nötig könne dann der Hausarzt übernehmen.
Die nächsten Tage passierte dann auch nichts besonderes, ich war erstmal krankgeschrieben und alles heilte eigentlich gut vor sich hin.
Allerdings wurde ich dann Freitagmorgens wach und hatte zunächst auch keine Beschwerden, als ich mich allerdings umziehen wollte, stellte ich einen schon größeren Blutfleck in meinem Unterhemd fest. Es war also irgendwo an der rechten Brust ein Stück der Narbe aufgegangen. Dementsprechend stand ich dann auch sofort bei meinem Hausarzt auf der Matte. Dieser erklärte mir, dass könne schon Mal passieren. Es wurde eine Salbe aufgetragen und das ganze neu verbunden. Montags sollte ich dann wiederkommen. An diesem Montag hatte sich das ganze zu meinem “Glück” auch noch oberflächlich entzündet. Von da an musste ich jeden Tag zum Hausarzt und es wurde ein kleiner Antibiotika-Kegel in die Wunde eingelegt. Wenn das dann zu sei, wäre es in Ordnung. Bis das ganze wieder zu war, vergingen knapp anderthalb Wochen. Den Mittwoch der nächsten Woche erklärte mir der Arzt, dass das jetzt so heilen könne.
Aber es wäre ja nicht normal, wenn nicht wieder etwas schief gegangen wäre.
Freitags saß ich zu Hause und wollte nur eine Zeitung von der Erde aufheben. Als ich wieder hoch kam, merkte ich schon, dass da wieder was auslief. Also sofort ein Handtuch her, draufgedrückt und abermals zum Arzt.
Dieser schaute sich das ganze erneut an, und stellte jetzt fest, dass auf Grund der Tatsache, dass die Drainage zu früh entfernt wurde, Blut nicht abfließen konnte und somit unter der Haut geronnen war. Dies baut einen unnatürlichen Druck auf, der sich darin entlädt, dass die Wunde platzt und das Blut austritt.
Daher versuchte er das gesamte geronnene und freie Blut heraus zu drücken. Dies gelang ihm auch und so kam erneut Salbe und ein neuer Verband auf die Wunde.
Bei der Kontrolle am darauf folgenden Montag war aber dann endgültig festzustellen, dass alles heilte und auch keine Blutansammlung mehr vorhanden war.
Die 2. Operation
Am ersten Tag nach der Operation merkte ich im Laufe des Morgens dass der verbliebene Hoden und das Gewebe im Bereich des entfernten Hoden immer weiter anschwoll. Mehrmals sprach ich das Pflegepersonal darauf an und bekam jedes Mal zur Antwort, dass dies nach so einer OP durchaus normal sei und auch wieder abschwellen würde.
Nachdem das nach dem Mittagessen immer noch schlimmer wurde und langsam auch etwa schmerzte bestand ich darauf, dass sich ein Arzt dies einmal ansieht. So wurde einer der Assistenzärzte aus der Röntgenbesprechung geholt. Dieser schaute einmal kurz auf den Hoden und verließ das Zimmer wieder. Fünf Minuten später stand er mit einem der Oberärzte wieder im Raum. Dieser schaute auch einmal darauf und beide waren wieder weg. Kurz danach kam dann ein Arzt der Anästhesie und erklärte mir, dass ich nochmals operiert werden müsse, da wohl ein Blutgefäss aufgegangen sei. Logischerweise war ich davon nicht sehr begeistert, aber dann kam der eigentliche Hammer für mich. Der Arzt erklärte mir, dass eine Vollnarkose nicht möglich sei, da ich um 13.00 Uhr noch gegessen hätte und jetzt war es gerade mal 15:30 Uhr. Die einzigste Lösung sei eine Rückenmarknarkose. Ich erklärte ihm, dass das ja wohl gar nicht sein müsse, und bekam lediglich als Antwort, dass bei der Vollnarkose, das Risiko bei 50 % liegen würde zu ersticken.
So blieb mir nichts weiter übrig, als der OP mit Rückenmarknarkose zuzustimmen, allerdings unter der Bedingung meinerseits, dass ich während der OP nichts höre.
So lag ich dann bereits 15 Minuten später innerhalb eines Tages das zweite Mal im OP-Vorbereitungsraum. Sehr zu meiner Freude war die gleiche Oberärztin der Anästhesie da wie am Vortag. Nach einer kurzen Rücksprache mit der Chefärztin kam Sie auf mich zu und erklärte mir, dass Sie mir jetzt zunächst eine Lokalanästhesie in den Rücken spritzen würde und anschließend dort die Rückenmarknarkose setzen würde.
Sehr zu meiner Verwunderung hab’ ich von keiner der zwei Spritzen überhaupt irgendetwas gemerkt, es hieß nur auf einmal “Das war’s”. Das schlimmste an der ganzen Narkose war eigentlich, dass ich daraufhin meine eigenen Beine nicht mehr bewegen konnte. Ein Gefühl das man wirklich niemanden gönnt.
So wurde ich dann in den OP geschoben, wo ich dann noch ein leichtes Schlafmittel gespritzt bekam und einen Kopfhörer (leider nur mit klassischer Musik) aufgesetzt bekam.
Von der eigentlichen Musik bekam ich nichts mit, ich weiß nur, dass ich zwischendurch kurz richtig wach war und Durst hatte.
Nach einer guten halben Stunde war dann alles vorbei und ich lag mal wieder im Aufwachraum. Dort musste ich bleiben, bis ich beide Beine wieder bewegen konnte. Erst dann durfte ich wieder zurück auf die Station.
Die restlichen Tage vergingen eigentlich recht langweilig. Sonntags wurde die Drainage entfernt. Montags musste dann eine Computertomographie (CT) vom Abdomen (Bauchraum) erstell werden und Mittwochs noch ein CT Thorax (Brustkorb). Das einzig Schlimme daran war, dass ich jedes Mal bis ca. 14.00 Uhr warten musste und bis dahin nüchtern sein musste.
Zehn Tage nach der OP (Freitags) durfte ich dann das Krankenhaus wieder verlassen, mit der Maßgabe mich ruhig zu verhalten und Montags zum Fäden ziehen wieder zu kommen.
Die Bestrahlung
Bereits im Januar ’03 hatte ich im Internet einen Artikel des Professor Dr. Diekmann aus Hamburg gelesen. In dieser Studie (die allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen war) kam Herr Prof. Dr. Diekmann zu dem Ergebnis, dass bei einer festgestellten TIN im kontralateralen Hoden nahezu fast immer mit der Entwicklung eines manifesten Tumors zu rechnen ist. In dieser Studie wurde festgestellt, dass sich die Entwicklung bis zu sieben Jahre hinziehen kann und dies somit ein Problem darstellt, da oftmals die engmaschigen Kontrolluntersuchungen nach 5 Jahren beendet werden. Auf diese Erkenntnis hin setzte ich mich per Email mit meinem Urologen sowie dem Chefarzt des Marienkrankenhauses in Verbindung. Dieser teilte mir daraufhin sinngemäß mit, dass Herr Diekmann einer der ausgewiesenen Experten in Sachen Hodentumoren in Deutschland ist und er in fast allen Fällen von Hodentumor in seiner Abteilung diesen um Rat frage. Dennoch gäbe es einen Bodensatz strittiger Fragen, wozu insbesondere auch die TIN gehöre. Derzeit wisse niemand genau wie eine TIN zu bewerten sei. Daher laufe zu derzeit auch diese große Studie, eo man sich ebenfalls dran beteilige. Die von Herrn Prof. Diekmann publizierten Informationen stellten seiner Meinung nach nur einen Zwischenstand da, so dass man seitens des Marienkrankenhauses das Konzept erst ändern würde, wenn ein endgültiges Ergebnis vorliege. Wörtlich teilte er mir des Weiteren mit : ” Was heißt das für Sie? – Falsch war der Weg, den wir mit Ihnen gegangen sind, sicher nicht. Ob es der beste war, weiß derzeit keiner. Ich glaube ja und hoffe sehr, dass Sie uns das zeigen werden.”
Das war natürlich ein Ergebnis mit dem ich mich nicht zufrieden geben konnte, aber erstmal wohl musste. ![]()
Mein behandelnder Urologe gab mir dann zwei Tage später folgende Antwort zu meiner Fragestellung:
“Gemäß den Leitlinien zu Diagnostik und Therapie von Hodentumoren auf Grundlage evidenzbasierter Medizin (EBM) – Stand 2002 – ist es richtig, dass die Therapie der intraepithelialen Neoplasie (TIN) eine Strahlentherapie mit 18 Gy in 9 Fraktionen zu 2 Gy ist.
Da Sie aber Formationen eines embryonalen Karzinoms im linken Hoden hatten, war die Chemotherapie (gem. PEB-Schema – 2 Zyklen) erforderlich gewesen.
Hier geben die Leitlinien zu Diagnostik und Therapie von Hodentumoren auf Grundlage evidenzbasierter Medizin (EBM) folgende Vorgabe:
Wenn primär eine Chemotherapie geplant ist, sollte die Strahlentherapie der TIN zurückgestellt werden, da durch die Summation von Chemotherapie und Strahlentherapie zu starke Schäden an den Leydig-Zellen (Erl.: Testosteronproduzierende Zellen) zu erwarten sind und etwa zwei Drittel der Fälle mit TIN allein durch eine Chemotherapie geheilt werden.
Es kann also 6 Monate nach Chemotherapie eine Kontrollbiopsie durchgeführt werden. Findet sich dort eine Persistenz der TIN, sollte sekundär bestrahlt werden.”
Das war dann schon eher eine Antwort mit der ich mich abfinden konnte und ließ somit die Sache zunächst auf sich beruhen.
Je näher dann aber dieser Termin ( sechs Monate nach Abschluss der Chemo-) kam, beschäftigte ich mich wieder mehr mit dem Thema und suchte noch mehr Informationen im Internet. Dabei kamen mir immer mehr Fragen auf und es erschien mir als sehr unsicher eine Kontrollbiopsie durchführen zu lassen und dann weiter zu entscheiden. Ursprünglich war es geplant diese Biopsie zusammen mit der OP der Gynäkomastie durchzuführen. Wäre so zu sagen ja auch ein Abwasch gewesen.
Aufgrund der Unsicherheit beschäftigte ich mich also weiter mit dem Thema und stellte mir auf der Grundlage der Informationen des Prof. Diekmann einen persönlichen Fragebogen zusammen, mit dem ich wieder bei meinem Urologen vorsprach.
Dieser hörte sich alles an und erklärte mir dann kurz und knapp, dass er diese Feststellungen nicht widerlegen könne. Daher überlegten wir gemeinsam und kamen zu dem Ergebnis, dass die sicherste Lösung eine Bestrahlungstherapie sei. Er erklärte mir aber, dass mir dann auch die Nebenwirkungen (mögliche Zerstörung der Testosteron-Produzierenden Zellen, Verringerung der Spermien-Produzierenden Zellen).
Dies war mir aber schon vorher, auf Grund der eingeholten Informationen, klar gewesen. Und für meinen Begriff, war dies dem Risiko einer erneuten Krebserkrankung gegenübergestellt eine Kleinigkeit.
So ließ ich mir eine Überweisung zur Strahlentherapie mitgeben und besorgte mir einen Termin dieser Praxis. Während einem Vorgespräch, welches schon zwei Tage später stattfand, wurde mir erklärt, dass diese Therapie in 10 Sitzungen stattfinden würde. Während dieser 10 Termine wird der verbliebene Hoden für jeweils 30 Sekunden bestrahlt. Der erste Termin wurde mir dann für den übernächsten Tag gegeben. Es lief also alles sehr kurzfristig und ging schnell und nahtlos über die Bühne.
Vor dem ersten Termin war ich dann trotz aller Informationen und dem Vorgespräch etwas nervös. Aber das ganze ging dann sehr kurz und schmerzlos. Einschließlich Wartezeit war ich meistens höchstens 10 – 15 Minuten in der Praxis. Das einzig Lästige an der Behandlung war die Müdigkeit, die sich jedes Mal aufs Neue einstellte. Meist war ich froh, wenn ich mit meinem Auto wieder zu Hause war und meine Ruhe hatte.
Nach der vierten Bestrahlung teile mir der behandelnde Arzt mit, dass ich Glück gehabt hätte. Er habe sich nochmals genau informiert und nach dem allerneusten Stand der Medizin würden bei meiner Diagnose bereits neun Bestrahlungen ausreichen. Somit hatte ich mir schon wieder einen Termin gespart. ![]()
Die insgesamt neun Termine (nur an Wochentagen) gingen sehr schnell vorbei.
Da sowieso wieder die halbjährliche Kontrolluntersuchung (MRT Abdomen und Röntgen Lunge) anstand, endete die Behandlung mit genau diesen Untersuchungen. Auch bei diesen Untersuchungen wurde wieder festgestellt, dass keine weitere Erkrankung vorliegt.
Die Zeit danach
Eigentlich müsste die ganze Geschichte, jetzt an dieser Stelle ein Ende haben. Aber wie schon gesagt nur eigentlich. Denn in meinem Fall muss das ganze natürlich einen anderen Weg gehen. Sonst wäre es ja auch zu langweilig
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Die nächste Zeit war erstmal nur von den normalen vierteljährlichen Kontrolluntersuchungen geprägt. Aber der Reihe nach. Zunächst war ich noch eine ganze Weile krankgeschrieben. Genauer gesagt bis insgesamt 19. Januar 2003. Diese Zeit war notwendig, da sich der Körper und insbesondere die Blutwerte erholen mussten. Wäre ich mit knapp 1500 Leukozyten wieder unter die Menschheit gegangen, hätte die nächste Erkrankung (egal in welcher Form) bestimmt nicht lange auf sich warten lassen. Ab dem 20. Januar dufte ich dann (endlich ?!?) wieder arbeiten. Nach dem Krefelder-Modell allerdings erstmal nur zeitweise. Das bedeutete in den ersten 3 Wochen 3 Stunden / Tag und anschließend drei Wochen 6 Stunden / Tag. Ab Aschermittwoch, 05.03.2003 (da ist ja bekanntlich im Rheinland alles vorbei) stand dann wieder Vollzeitarbeit an. Aber nur für kurze Zeit, denn der Urlaub war bereits gebucht. Nach dem ganzen Chaos ging es am 16.03.2003 zusammen mit meinem Bruder für drei Tage nach Disneyland Paris. Dies war ja schon während dem ersten Zyklus der Chemo- geplant.
Danach lief dann aber eigentlich auch alles wieder in ruhigen Bahnen. Die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen jedes viertel Jahr waren eigentlich schnell Routine. Im Mai kam dann aber das erste Mal das Thema auf die immer noch bestehende Vergrößerung der Brustdrüsen (Gynäkomastie). Mein Urologe empfahl mir einen Termin bei einer endokrinologischen Praxis zu vereinbaren, um abzuklären ob diese Vergrößerung auf eine erhöhte Hormonkonzentration (welche evtl. auf Grund eines Tumors entstehen könne, was aber unwahrscheinlich war) zurückzuführen war.
Somit hatte mich die Vergangenheit wieder ein kleines Stück eingeholt. Aber der Termin im Juni ergab dann, dass die Hormonwerte alle Normwertig waren. Der Arzt erklärte mir, dass somit kein Zusammenhang zur Gynäkomastie bestehen könne und es sich dabei wohl um eine Laune der Natur handelt. Allerdings könne man im Nachhinein nicht mehr sagen, ob der Ursprung nicht eventuell doch in einer erhöhten Hormonausschüttung seitens des Hodentumors gelegen habe. Dies sei aber jetzt unerheblich. Er empfahl mir allerdings die Gynäkomastie trotzdem operativ entfernen zu lassen und ggf. zu einem späteren Zeitpunkt diese Kontrolluntersuchung nochmals durchzuführen.
Mit diesem Ergebnis setzte ich mich dann wiederum mit meinem Urologen in Verbindung. Dieser vertrat die gleich Meinung und empfahl mir einen Termin mit dem Krankenhaus zu vereinbaren und mir dann eine entsprechende Überweisung abzuholen.
Chemotherapie – 2. Zyklus
Dieser Dienstag kam natürlich viel zu schnell und so hatte ich mich gegen 10.00 Uhr wieder mal auf der Station 7 einzufinden. Als erstes stand wie mittlerweile üblich eine Blutabnahme zur Kontrolle der Werte an. Da das Labor offensichtlich diesmal etwas länger brauchte, bekam ich dann erstmal Mittagessen. Das war bisher völlig ungewöhnlich, dass es Essen gab, bevor irgendwas passierte. Aber dann kam es natürlich auch wie es kommen musste, kaum löffelte ich an meiner Erbsensuppe, stand der Anästhesist im Türrahmen und wollte mir “mal eben” den ZVK legen. Nicht das ich davon noch vom letzten mal genug hatte, meinte er doch tatsächlich ich könne sitzen bleiben, das würde er schon so machen.
Da hab’ ich aber dann doch dankend abgelehnt und mich freiwillig erstmal ins Bett gelegt. Allerdings erst nach dem ich den Arzt davon überzeugt hatte, dass er es gar nicht erst versuchen braucht, den ZVK am Hals zu legen. Dies wollte er erst nicht hinnehmen und meinte man könne es ja mal an der anderen Seite probieren. Aber ich erklärte ihm, da habe er keine Chance, er solle lieber den anderen Arm nehmen. Auf seinen Einwand hin, dass es am Arm doch vielmehr stören würde als am Hals, erklärte ich noch einmal, dass ich auch beim letzten Mal keine Probleme damit hatte.
So wurde der ZVK dann in den rechten Arm gelegt. An dieser Stelle muss ich dann doch mal gestehen, dass der Anästhesist in gewisser Weise recht hatte. Denn als Rechtshänder stört so ein Schlauch im rechten Ellbogen doch schon gewaltig, zumal man den Schlauch ja auch nicht abknicken darf. Aber das hätte ich damals natürlich niemals zugegeben. ![]()
Damit war ich dann erstmal bedient genug, dass das Essen mittlerweile kalt war, war noch das Geringste. Aber ab jetzt hing ich mal wieder für eine ganze Woche an der Flasche (NaCl). Denn genauso wie im ersten Zyklus musste immer gewährleistet sein, dass der ZVK und die Venen gespült wurden, damit sich der Zugang nicht zusetzt.
Vom Ablauf her war dieser Zyklus identisch mit dem ersten. Zunächst 5 Tage Infusionen hintereinander und dann jeweils am 8. und am 15. Tag eine Nachinfusion. Auch ansonsten passierte nichts wirklich unbekanntes, außer dass die Haare während des jeden Tag 6-tägigen Aufenthalts immer weiter ausfielen. Das war nicht wirklich angenehm. Wenn man sich abends in ein sauberes, gemachtes Bett legt und am nächsten morgen mit einem Kissen voller Haare aufwacht oder aber mitten in der Nacht wach wird und seine eigenen Haare im Mund hat, so ist das wirklich nicht angenehm bzw. erstrebenswert.
Aber dieses “Problem” habe ich noch am ersten Abend der Entlassung nach dem wöchentlichen Aufenthalt mit Hilfe meiner Cousine gelöst. Sie half mir dabei die Haare komplett abzurasieren. Somit erschien ich zur ersten Nachinfusion zwei Tage später mit einer Glatze im Krankenhaus (was einige Verwunderung bei manchen Leuten zur Folge hatte).
Was sich jetzt immer mehr zum Problem entwickelte, war die Tatsache, dass meine Venen allmählich mehr und mehr vernarbten bzw. sehr dünn wurden. Somit wurde es bei den Nachinfusionen und den Blutkontrollen immer schwieriger die Nadel in die Vene zu bekommen ohne das diese platzte. Bei der allerletzten Nachinfusion waren insgesamt sechs Versuche seitens des Arztes nötig, bevor die Nadel richtig lag. Nach drei Versuchen verlies er erstmal das Zimmer und meinte es sei besser wenn ich mich erstmal erholen und beruhigen würde. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich zwar nicht mehr soviel Angst vor Spritzen wie zu beginn meiner Erkrankung, aber dass war dann doch etwas zu viel. Aber auch als er wieder kam, hatte er zunächst keinen Erfolg. Als auch der fünfte Versuch misslang, war meine Frage an den Arzt wie die Erfolgschancen der Chemo- seien, wenn man die letzte Infusion auslässt. Er erklärte mir dann, dass die Behandlung dann auch nicht wirkungslos sei, aber diese Wirkung dann nicht 100 % betragen würde. Ich gab ihm dann unmissverständlich zu verstehen, dass er noch einen Versuch frei habe, aber wenn auch dieser misslingen würde, es keine Nachinfusion mehr geben würde. Der Arzt erwiderte dann ich solle jetzt mal ruhig sein und ihn machen lassen, dass würde schon klappen. So war es dann auch im sechsten Anlauf, schaffte er es die Vigo am linken Handgelenk direkt auf der Verlängerung des Daumens zu legen. So konnte die letzte Infusion im Beisein meines Vaters und Bruders angeschlossen werden. Nach dieser halben Stunde war ich heilfroh, dass dieses Kapitel nun endlich abgeschlossen war. Aber jetzt konnte ich den nächsten Tag an dem ich endlich zum letzten mal entlassen werden sollte gar nicht mehr abwarten.
Aber der 28. November kam und ich durfte endlich nach Hause und wusste, dass ich so schnell nicht mehr an diesen Ort musste. Die Krankenschwestern konnten gar nicht verstehen, dass ich noch nicht mal mehr Frühstück haben wollte. Ich wollte nur noch raus dort.
Die Chemotherapie – 1. Zyklus
So machte ich mich am 22. Oktober nachmittags mal wieder auf, um ein weiters mal für einige Tage ins Krankenhaus zu gehen. Nach der Aufnahme hatte ich zunächst noch einige Stunden Zeit, dann erschein ein Krankenpfleger im Zimmer und erklärte mir, er würde mich jetzt on den Aufwachraum des OP bringen. Auf meine etwas entsetzte Frage was das denn solle, erklärte er mir, dass für die Chemotherapie ein Zentraler Venenkatheter (ZVK) gelegt werden müsse und dies wäre Aufgabe eines Anästhesisten. So wurde ich im Bett in den AWR gebracht, dort wartete bereits eine Anästhesistin, die mir erklärte, dass ein Zugang gestochen werden müsse, durch den ein dünner Plastikschlauch in die Vene bis kurz vor das Herz geschoben würde. Dort wären die Venen größer und dickwandiger, so dass sie von der Chemo- nicht so schnell zerstört würden. Dieser ZVK sollte am Hals in die große Vene gelegt werden. Dafür wurde dann das Bett abgesenkt, die Einstichstelle steril abgedeckt und schließlich ein Lokalanästhetikum (Betäubung) in den Hals gespritzt. Dann versuchte die Anästhesistin mit einer relativ großen Nadel ein “Loch” zu stechen über welches sie den Schlauch vorschieben wollte. In insgesamt drei Versuchen gelang Ihr dies jedoch nicht, da irgend was in der Vene den Weg versperrte, das einzigste Ergebnis war ein dicker Bluterguss an dieser Stelle. Nicht das ich schon vorher nervös gewesen wäre, aber jetzt war ich es erst recht.
Und dies noch mal so viel, nachdem die Ärztin meinte dann würde sie es mal an der anderen Seite probieren. Darüber hinaus äußerte Sie ich solle mich nicht so verspannen, das würde es für Sie und für mich nur unnötig schwer machen. Wirklich leichter gesagt als getan wenn man dort liegt ☺
Ich war allerdings gegen den Versuch die andere Seite mal zu testen und zum Glück kam mir insofern die OP-Schwester zur Hilfe, die kurzer Hand die Venen an meinem linken Arm staute und dann meinte da wäre doch eine gute Vene.
Zu meinem Glück ließ sich die Ärztin darauf ein, und siehe da, im ersten Anlauf war der Schlauch drin und sie konnte ihn problemlos vorschieben. Lediglich am Schultergelenk merkte ich einmal kurz den Schlauch.
Nachdem der ZVK lag, wurde ich im Bett zum röntgen gebracht, um zu kontrollieren ob der ZVK auch an der richtigen Stelle liegt. Nachdem dies alles in Ordnung war wurde ich wieder auf die Station gebracht und sofort wurde der Zugang an eine Infusion mit Kochsalzlösung (NaCl) angeschlossen. Das sollte in nächster Zukunft dann auch das wichtigste sein, wenn keine Chemo- angeschlossen war. Die NaCl musste ständig laufen, damit der Zugang sich nicht zusetzt, denn dann hätte er zu 99 % neu gestochen werden müssen. Das einzigste was mir zu diesem Zeitpunkt etwas Angst machte, war die Gewissheit, dass mir diese Prozedur noch mindestens einmal bevorstand.
Am nächsten Tag (Mittwoch, 23.10.2003) war es dann soweit, entsprechend dem Behandlungsplan erhielt ich nacheinander drei verschiedene Infusionen (“von allem etwas” um es mit den Worten des Arztes zu sagen). Ich hatte mich mehr oder weniger darauf eingestellt, vom ersten Tag an Übelkeit oder andere “bekannte” Nebenwirkungen zu bemerken. Zu meiner Verwunderung blieb dies dann aber zunächst aus und ließ mich schon leicht euphorisch werden. Die nächsten vier Tage (bis einschl. Sonntag) bekam ich dann jeweils zwei Infusionen pro Tag. Was sich aber auch als wirklich ausreichend darstellte (:-)
Am Samstag stellte sich dann das erste mal die – quasi erwartete – Übelkeit ein. Ohne dass ich wirklich wusste was los war, wurde es mir im Laufe des Vormittages immer mehr übel und am Nachmittag musste ich das erste Mal brechen. Aber ähnlich wie auch im gesamten Rest der Therapie war es nur Gallenflüssigkeit.
Alles in allem hielt es sich aber immer noch in Grenzen.
Samstags erklärten mir der Arzt dann auf Nachfrage hin mit, dass der ZVK am Montag wenn ich entlassen würde entfernt werden müsste und Mittwochs neu gelegt würde. Dies war nach meinen Erlebnissen am vergangenen Dienstag natürlich gar nicht in meinem Sinne und so fing ich an, mit den Ärzten zu diskutieren. Nach meinem Wunsch sollte der ZVK drin bleiben. Der Assistenzarzt der eigentlich für die Chemotherapie zuständig war, war damit aber gar nicht einverstanden. Daher ging ich diese Diskussion auch noch mit der Assistenzärztin ein, da diese mit dem Oberarzt verheiratet war. Diese hielt die Idee für nicht ganz abwegig, erklärte mir aber, dass könne sie nicht entscheiden und müsse das mit dem Oberarzt absprechen. Sie kam dann abends wieder und teilte mir mit, dass das klar ginge, der ZVK müsse dann aber mit einem Gerinnungshemmenden Mittel geblockt werden und ich müsse entsprechend vorsichtig sein. Montags morgens als ich entlassen werden sollte, war dann wieder der Assistenzarzt da und dieser wollte natürlich den ZVK entfernen. Als ich entgegnete, dass das schon geklärt sei und der Zugang liegen bleiben würde, war er natürlich nicht sehr erfreut. Er verließ den Raum mit den Worten, das müsse ich ja selber wissen. Jedenfalls bekam ich dann kurz danach von der Assistenzärztin den ZVK geblockt und konnte nach Hause gehen. Der Aufenthalt war zwar nur sehr kurz, aber dafür um so erholsamer. Was dabei für mich sehr kurios war, war die Tatsache, dass ich, kaum war ich zu Hause, quasi alles essen konnte. Im Krankenhaus störte mich der kleinste Essensgeruch und zu Hause habe ich Fritten gegessen.
Mittwochs war es dann schon wieder so weit, morgens hatte ich mich zur ersten “Nachinfusion” im Krankenhaus einzufinden. Als erstes stand aber eine Blutkontrolle an. Erst nachdem dann das Labor sein OK gegeben hatte, wurde nachmittags die Infusion angeschlossen. Danach musste ich dann eine Nacht zur Kontrolle bleiben und nach einer weiteren Blutkontrolle am Donnerstag konnte ich dann wieder nach Hause. Diesmal wurde der Zentrale Venenkatheter aber entfernt. Zu diesem Zeitpunkt war dann endlich geklärt, dass die einzelnen Nachinfusionen auch über einen normalen Zugang (Vigo) gegeben werden können. Ich musste bei diesen Infusionen nur vorsichtig sein und für die halbe Stunde der Infusion nach Möglichkeit den Arm nicht bewegen. Schon zu diesem Zeitpunkt war abzusehen, dass sich die Leukozyten (weiße Blutkörperchen) stark verminderten. So waren diese bereits in der ersten Woche von 7.300 vor der Chemotherapie auf 3.300 gefallen.
Die zweite Nachinfusion und gleichzeitig die letzte Infusion des ersten Zyklus war dann genau eine Woche später ebenfalls am Mittwoch “fällig”. So musste ich mich wieder morgens früh auf der Station zur Aufnahme und Blutabnahme einfinden. Wie bereits erwartet, hatte sich der Trend der letzten Woche weiter fortgesetzt. So teilte das Labor gegen Mittag mit, dass die Leukozyten aktuell nur noch bei 1.400 lagen. Allerdings erklärte mir der Arzt, müsse man dass Risiko eingehen und trotzdem die nächste Infusion verabreichen, da sonst die ganze Therapie auf der Kippe stehe. So wurde trotz dieses Ergebnisses am Nachmittag die Infusion angeschlossen. Am nächsten morgen erfolgte dann die nächste Blutkontrolle. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Tasche schon gepackt und wartete zusammen mit meiner Mutter darauf, dass ich nach Hause fahren durfte. Aber aufgrund eines Defektes im Labor zog sich dass ganze hin, bis mir der Arzt erklärte, die Blutproben würden alle in ein benachbartes Krankenhaus gebracht und dort untersucht. Da meine Laune allmählich immer weiter in den Keller gefallen war, ging ich erneut zu dem Arzt und erklärte ihm er solle mich doch nach Hause schicken und mir dass Ergebnis dann per Telefon mitteilen. Ich könnte ja schließlich doch nichts dran ändern. Darauf wolle er sich aber nicht einlassen und so musste ich warten bis das Ergebnis endlich vorlag.
Dies war dann kurz nach dem Mittagessen (was ich übrigens nicht bekam, da für mich keines bestellt war; ich sollte ja schließlich schon zu Hause sein) endlich da und der Arzt erläuterte mir ohne mit der Wimper zu zucken, dass die Leukos nur noch bei 1.200 lägen und ich deshalb nicht nach Hause könne. Ich müsse jetzt zunächst wegen der möglichen Infektionsgefahr noch eine Nacht im Krankenhaus bleiben und dann würde man die Werte nochmals kontrollieren. Wenn diese dann noch weiter gesunken oder gleich geblieben seien, müsse man zusätzliche Medikamente geben und den Aufenthalt noch weiter verlängern. Sollte sich aber zeigen dass sie wieder steigen, könne ich nach Hause. Damit hatte meine Laune natürlich den absoluten Nullpunkt erreicht, und eigentlich hatte ich auch nur Angst dass ich noch viel länger im Krankenhaus bleiben müsse. Der im heutigen Rückblick größte Witz daran war, dass man mir zunächst etwas von Infektionsgefahr und eventueller Isolation erzählte und mich eine knappe halbe Stunde später als vierte Person auf ein 3-Bett-Zimmer legte. (Man hatte nämlich kein Zimmer mehr für mich, da dies ja nicht eingeplant war.)
Einerseits konnte ich die Blutabnahme am nächsten morgen gar nicht abwarten, andererseits hatte ich gehörig Angst davor, man könne mir sagen die Leukos wären noch weiter gefallen. Da ich es aber weder beschleunigen noch verhindern konnte, musste ich mich wie so oft in den Wochen in mein Schicksal geben. An dem Abend fasste ich auf jeden Fall, mit tatkräftiger Unterstützung meines Bruders, den Entschluss, dass wenn das alles überstanden war, ich nach Disneyland Paris fahren würde.
Bei der Kontrolle am nächsten morgen, kam dann sehr zu meiner Freude raus, dass die Leukozyten wieder auf 1.500 gestiegen waren. Der Arzt erklärte mir, dabei noch mal, dass es bei der Chemo- normal wäre, dass die Leukozyten einen bestimmten Tiefpunkt erreichen würden (der bei jedem woanders liegt), über diesen müsste der Körper aber auch mit eigenen Kräften hinweg kommen, andernfalls sei das sehr problematisch. Bei mir war aber ja noch mal alles gut gegangen und so durfte ich dann endlich nach Hause. Allerdings verabschiedete man sich nur bis zum kommenden Dienstag.
Wieder zu Hause
Nachdem ich Montags zum Fäden ziehen nochmals im Krankenhaus war, schien die Sache erledigt zu sein. Ich sollte mir einen Urologen suchen, den ich noch in dieser Woche aufsuchen sollte. Mein Vetter empfahl mir dann auch einen, bei dem ich schon für Mittwochs einen Termin bekam.
An besagtem Termin fuhr ich also zu dem Arzt, dieser schaute sich die Unterlagen sowie die Narbe an und erklärte mir anschließend das Nachsorgeprogramm: 5 Jahre halbjährlich CT Abdomen und Röntgen Lunge, darüber hinaus vierteljährlich Kontrolle der Tumormarker und Sonographie Hoden und Nieren.
Anschließend erklärte es mir noch wie bereits im Krankenhaus geschehen die möglichen weiteren Behandlungsformen nach einem solchen Tumor. Chemotherapie, Bestrahlung oder “wait and see”. Wobei er von letzterem Abriet.
Nachdem er mir alle Vor- und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten aufgezählt hatte, vereinbarten wir einen Termin für den 7. Oktober, bis zu diesem Tag sollte ich mich für eine der Behandlungen entscheiden.
Aufgrund der bekannten Geschichten über Chemotherapien war meine Entscheidung schnell gefallen und so stellte ich mich selbst bereits auf die Bestrahlung ein.
Am 07. Oktober hatte ich dann wieder eine Termin bei meinem Urologen und er fragte mich auch gleich wie denn meine Entscheidung ausgefallen sei. Ich antwortete ihm, dass ich mich für die Bestrahlung entschieden hätte. Woraufhin er nur äußerte, dass es da ein kleines Problem gäbe. Einige Tage zuvor war noch ein Nachbefund des Pathologen gekommen. Aus diesem ergab sich, dass der entfernte Tumor ein Mischtumor mit Anteilen eines embryonalen Karzinoms war. Dieses ist strahlungsunempfindlich somit war die einzigste Behandlungsform die Chemotherapie.
Auch dieses Mal hatte ich erstmal nicht viel Zeit zum überlegen, da er mich sofort bat im Krankenhaus vorbei zu fahren, um mich mit dem dortigen Arzt zu unterhalten.
So war ich knapp eine halbe Stunde später mal wieder an dem Ort des Geschehens, wo ich so schnell eigentlich nicht mehr hin wollte. Der Arzt erklärte mir dann, wie die Chemotherapie ablaufen würde (Art, Dauer etc.) und was vorher noch zu erledigen sei. Er erklärte mir, dass ich vorher sowohl einen Lungenfunktions- als auch einen Hörtest machen müsse, da diese Funktionen durch die Chemo- gestört werden könnten. Darüber hinaus empfahl er mir auf Grund einer evtl. eintretenden Unfruchtbarkeit eine Kryokonservierung von Samenzellen vorzunehmen.
Wir einigten uns darauf, dass ich sobald alle Ergebnisse vorliegen mich wieder melden würde und dann einen Termin zur Chemotherapie erhalte.
Nachdem ich am 17. Oktober alle Unterlagen zusammen hatte, rief ich also mal wieder im Krankenhaus an und erhielt einen Termin zur stationären Aufnahme am 22. Oktober.