Bereits im Januar ’03 hatte ich im Internet einen Artikel des Professor Dr. Diekmann aus Hamburg gelesen. In dieser Studie (die allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen war) kam Herr Prof. Dr. Diekmann zu dem Ergebnis, dass bei einer festgestellten TIN im kontralateralen Hoden nahezu fast immer mit der Entwicklung eines manifesten Tumors zu rechnen ist. In dieser Studie wurde festgestellt, dass sich die Entwicklung bis zu sieben Jahre hinziehen kann und dies somit ein Problem darstellt, da oftmals die engmaschigen Kontrolluntersuchungen nach 5 Jahren beendet werden. Auf diese Erkenntnis hin setzte ich mich per Email mit meinem Urologen sowie dem Chefarzt des Marienkrankenhauses in Verbindung. Dieser teilte mir daraufhin sinngemäß mit, dass Herr Diekmann einer der ausgewiesenen Experten in Sachen Hodentumoren in Deutschland ist und er in fast allen Fällen von Hodentumor in seiner Abteilung diesen um Rat frage. Dennoch gäbe es einen Bodensatz strittiger Fragen, wozu insbesondere auch die TIN gehöre. Derzeit wisse niemand genau wie eine TIN zu bewerten sei. Daher laufe zu derzeit auch diese große Studie, eo man sich ebenfalls dran beteilige. Die von Herrn Prof. Diekmann publizierten Informationen stellten seiner Meinung nach nur einen Zwischenstand da, so dass man seitens des Marienkrankenhauses das Konzept erst ändern würde, wenn ein endgültiges Ergebnis vorliege. Wörtlich teilte er mir des Weiteren mit : ” Was heißt das für Sie? – Falsch war der Weg, den wir mit Ihnen gegangen sind, sicher nicht. Ob es der beste war, weiß derzeit keiner. Ich glaube ja und hoffe sehr, dass Sie uns das zeigen werden.”
Das war natürlich ein Ergebnis mit dem ich mich nicht zufrieden geben konnte, aber erstmal wohl musste. ![]()
Mein behandelnder Urologe gab mir dann zwei Tage später folgende Antwort zu meiner Fragestellung:
“Gemäß den Leitlinien zu Diagnostik und Therapie von Hodentumoren auf Grundlage evidenzbasierter Medizin (EBM) – Stand 2002 – ist es richtig, dass die Therapie der intraepithelialen Neoplasie (TIN) eine Strahlentherapie mit 18 Gy in 9 Fraktionen zu 2 Gy ist.
Da Sie aber Formationen eines embryonalen Karzinoms im linken Hoden hatten, war die Chemotherapie (gem. PEB-Schema – 2 Zyklen) erforderlich gewesen.
Hier geben die Leitlinien zu Diagnostik und Therapie von Hodentumoren auf Grundlage evidenzbasierter Medizin (EBM) folgende Vorgabe:
Wenn primär eine Chemotherapie geplant ist, sollte die Strahlentherapie der TIN zurückgestellt werden, da durch die Summation von Chemotherapie und Strahlentherapie zu starke Schäden an den Leydig-Zellen (Erl.: Testosteronproduzierende Zellen) zu erwarten sind und etwa zwei Drittel der Fälle mit TIN allein durch eine Chemotherapie geheilt werden.
Es kann also 6 Monate nach Chemotherapie eine Kontrollbiopsie durchgeführt werden. Findet sich dort eine Persistenz der TIN, sollte sekundär bestrahlt werden.”
Das war dann schon eher eine Antwort mit der ich mich abfinden konnte und ließ somit die Sache zunächst auf sich beruhen.
Je näher dann aber dieser Termin ( sechs Monate nach Abschluss der Chemo-) kam, beschäftigte ich mich wieder mehr mit dem Thema und suchte noch mehr Informationen im Internet. Dabei kamen mir immer mehr Fragen auf und es erschien mir als sehr unsicher eine Kontrollbiopsie durchführen zu lassen und dann weiter zu entscheiden. Ursprünglich war es geplant diese Biopsie zusammen mit der OP der Gynäkomastie durchzuführen. Wäre so zu sagen ja auch ein Abwasch gewesen.
Aufgrund der Unsicherheit beschäftigte ich mich also weiter mit dem Thema und stellte mir auf der Grundlage der Informationen des Prof. Diekmann einen persönlichen Fragebogen zusammen, mit dem ich wieder bei meinem Urologen vorsprach.
Dieser hörte sich alles an und erklärte mir dann kurz und knapp, dass er diese Feststellungen nicht widerlegen könne. Daher überlegten wir gemeinsam und kamen zu dem Ergebnis, dass die sicherste Lösung eine Bestrahlungstherapie sei. Er erklärte mir aber, dass mir dann auch die Nebenwirkungen (mögliche Zerstörung der Testosteron-Produzierenden Zellen, Verringerung der Spermien-Produzierenden Zellen).
Dies war mir aber schon vorher, auf Grund der eingeholten Informationen, klar gewesen. Und für meinen Begriff, war dies dem Risiko einer erneuten Krebserkrankung gegenübergestellt eine Kleinigkeit.
So ließ ich mir eine Überweisung zur Strahlentherapie mitgeben und besorgte mir einen Termin dieser Praxis. Während einem Vorgespräch, welches schon zwei Tage später stattfand, wurde mir erklärt, dass diese Therapie in 10 Sitzungen stattfinden würde. Während dieser 10 Termine wird der verbliebene Hoden für jeweils 30 Sekunden bestrahlt. Der erste Termin wurde mir dann für den übernächsten Tag gegeben. Es lief also alles sehr kurzfristig und ging schnell und nahtlos über die Bühne.
Vor dem ersten Termin war ich dann trotz aller Informationen und dem Vorgespräch etwas nervös. Aber das ganze ging dann sehr kurz und schmerzlos. Einschließlich Wartezeit war ich meistens höchstens 10 – 15 Minuten in der Praxis. Das einzig Lästige an der Behandlung war die Müdigkeit, die sich jedes Mal aufs Neue einstellte. Meist war ich froh, wenn ich mit meinem Auto wieder zu Hause war und meine Ruhe hatte.
Nach der vierten Bestrahlung teile mir der behandelnde Arzt mit, dass ich Glück gehabt hätte. Er habe sich nochmals genau informiert und nach dem allerneusten Stand der Medizin würden bei meiner Diagnose bereits neun Bestrahlungen ausreichen. Somit hatte ich mir schon wieder einen Termin gespart. ![]()
Die insgesamt neun Termine (nur an Wochentagen) gingen sehr schnell vorbei.
Da sowieso wieder die halbjährliche Kontrolluntersuchung (MRT Abdomen und Röntgen Lunge) anstand, endete die Behandlung mit genau diesen Untersuchungen. Auch bei diesen Untersuchungen wurde wieder festgestellt, dass keine weitere Erkrankung vorliegt.